sans phrase - Zeitschrift für Ideologiekritik

Arthur Koestler als Weggefährte Vladimir Ze’ev Jabotinskys

Renate Göllner | Parataxis | Heft 15, Herbst 2019

Als Vladimir Ze‘ev Jabotinsky im Mai 1924 während einer Vortragsreise Wien besuchte, wurde er am Grenzbahnhof Lundenburg (Břeclav) von zwei Burschenschaftern besonderer Art empfangen. Einer von ihnen war Arthur Koestler, der andere ein „alter Herr“ der Verbindung „Unitas“, einst der Schrecken der Alldeutschen. Diese zionistische Burschenschaft hatte Jabotinsky kurz davor zum „Ehrenburschen“ ernannt, eine Auszeichnung, die bis dahin nur Theodor Herzl und Max Nordau zuteil geworden war. Nachdem die beiden im Gedränge Jabotinsky erkannt hatten, oblag es Koestler, das goldene Verbindungabzeichen unter den Augen der erstaunten Reisenden an das Revers ihres Gastes zu heften und ihm das Couleur-Band anzulegen, das dieser jedoch rasch wieder in seiner Tasche verschwinden ließ. Später gestand Jabotinsky dem jungen Koestler, dass „er sich noch nie so unbehaglich gefühlt hatte“.