sans phrase - Zeitschrift für Ideologiekritik

Die jüdische Kriegsfront. Vier Auszüge aus dem letzten Buch Vladimir Jabotinskys

Vladimir Ze’ev Jabotinsky | Parataxis | Heft 15, Herbst 2019

Jabotinsky versucht Anfang 1940 in diesem seinem letzten und posthum publizierten Buch die Situation zu umreißen, wie sie sich in seiner Auffassung nach dem eben begonnenen Krieg darstellen werde. Er nimmt zwar bereits Anzeichen zur Vorbereitung der Vernichtung der Juden in Polen wahr, es entzieht sich aber selbst ihm – und das nach all den Erfahrungen, die er seit seiner Jugend von Verfolgung und Pogromen gemacht hatte – die Möglichkeit zu denken, dass die gerade stattfindenden Deportationen tatsächlich zum Zweck der totalen Vernichtung erfolgen sollten. Als Konsequenz des Kriegs sieht er darum Millionen polnischer Juden in Gefahr, die den Krieg neben den von ihm befürchteten zahlreichen Hungertoten an den Orten der Deportation überleben würden, aber danach erneut und umso mehr der antisemitischen Todesdrohung ausgesetzt wären – so wie es die wenigen Überlebenden nach dem Zweiten Weltkrieg dann wirklich waren. Während also Jabotinsky noch den Plan einer großangelegten Evakuierung von mehreren Millionen Juden nach Palästina entwarf, konnte die Untergrundbewegung der Bricha schließlich nur noch die Fluchthilfe von einigen Hunderttausenden organisieren.

So ist dieses 1940, kurz nach dem Tod des Autors, erschienene Buch The Jewish War Front die letzte Momentaufnahme des Zionismus vor der Shoah.