Abdankung des amerikanischen Welthegemons?

Trump scheint gerade aufgrund seiner besonderen persönlichen Eigenschaften die ideale Charaktermaske für eine Weltmacht darzustellen, die mit sich am Hadern ist, ob sie ihre Rolle als Hegemon weiter erfüllen möchte und kann. Im Zickzackkurs der aktuellen Administration scheint der antinomische Charakter der Politik vor dem Hintergrund der innen- und außenpolitischen Ausgangsbedingungen in den USA gewissermaßen zu sich selbst zu kommen.

Der Begriff der Charaktermaske ist nun hier in jeder Hinsicht ein zweischneidiges Schwert, vom marxistischen Jargon geerbt. Kaum jemand, der von ihr im politischen Zusammenhang so nonchalant oder gar vollmundig und wütend spricht, merkt, dass er damit – direkt oder indirekt – die Frage der Gewalt aufwirft und womöglich insgeheim bereits beantwortet hat.Die ›Verrücktheit‹ einschließlich ihrer autoritären beziehungsweise antiautoritären Züge, die sich nun bei Trumps politischem Handeln zeigt, ist ja auch als Charakter beziehungsweise Physiognomie betrachtet etwas völlig anderes als die von Hitler. Es scheint offenbar nicht der Rede wert, dass Trumps Charakter gewisser Elemente einer totalisierbaren pathischen Projektion ermangelt, und dass, wenn von Verrücktheit gesprochen werden kann, das damit Gemeinte in diesem Fall vielleicht nicht ganz zufällig auch der Anstrengung zugutezukommen vermag, jene Einheit der Souveränität noch herzustellen, konkreter gesagt: Souveränität unter den Bedingungen einer auf dem Weltmarkt basierenden Hegemonie, die Israel zu existieren praktisch ermöglicht, worüber in Deutschland nur als einem Recht geschwafelt wird. Mit anderen Worten und auf ein Joachim Bruhn so wichtiges Thema zugespitzt: Georg Elsers Attentat auf Hitler, wenn es nicht misslungen wäre, hätte dazu führen können, dass der Vernichtungsfeldzug gegen die Juden abgebrochen worden wäre, während – wie man heute sagen muss – das Attentat auf Trump, wäre es gelungen, den jüdischen Staat einer der möglichen Voraussetzungen beraubt haben würde, die Fortsetzung jenes Vernichtungsfeldzugs einstweilen zu verhindern. Die Modernisierung der deutschen Ideologie aber bewährt sich nun darin, den Fehlschlag des einen wie des anderen zu bedauern.

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