Dem Weltgeist das Wort finden

»Das Moment der Allgemeinheit in der Sprache, ohne das keine wäre, verletzt unabdingbar die volle sachliche Bestimmtheit des Besonderen, das sie bestimmen will«, schrieb Adorno. »Korrektiv ist die wie immer auch unkenntliche Anstrengung zur Verständlichkeit«, doch die wiederum nicht zu verwechseln »mit dem vagen und brutalen Kommando von Klarheit«, das der Sprache etwas abverlangt, »was sie in der Unmittelbarkeit ihrer Worte und Sätze überhaupt nicht gewähren kann«. Suspekt war ihm, dass Marx dem Weltgeist gelegentlich ein Wort erfand, dem man schon anhört, dass dem Geist nicht zu trauen ist, und die bescheidene Figur, die kritische Theorie auf der Weltbühne unweigerlich abgibt, mit so prächtigen Reden versah, als sei die Hochzeit am Ende beschlossene Sache. Diese Schwierigkeit war Adorno weißgott vertraut. Schließlich plauderte er die Pointe ungeniert aus: »Der unnaive Gedanke weiß, wie wenig er ans Gedachte heranreicht, und muß doch immer so reden, als hätte er es ganz. Das nähert ihn der Clownerie. Er darf deren Züge um so weniger verleugnen, als sie allein ihm Hoffnung eröffnen auf das ihm Versagte. Philosophie ist das Allerernsteste, aber so ernst wieder auch nicht.«

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