Joachim Bruhn war es in seinen zahlreichen Auseinandersetzungen mit der RAF möglich, den Verfall der linken Bewegung wie unter dem Brennglas zu beobachten, weil sie sich selbst noch inhaltlich auf den kadavergehorsamen Marxismus-Leninismus im erneuerten Gewand des Maoismus bezog, in der Avantgarde das sogenannte Vermittlungsproblem von Theorie und Praxis aufs Neue verabsolutierte, die Diktatur des Proletariats in ihrem ominösen Prozess von der »Klasse an sich« zur »Klasse für sich« zu führen anstrebte und schließlich in der antisemitischen Selbstzerstörungsbewegung als apokalyptischer und zugleich schicksalhafter Erlösungsgeschichte die Geschichtsphilosophie unter dem Schutthaufen begraben hatte. Mit Daniela Klette und der neusten Linken scheint jeglicher Bezug auf die Tradition, die über den Antizionismus und Antisemitismus hinausgeht, vollständig abgerissen zu sein, was sich zuallererst in der Eigentümlichkeit ihrer auf bloße umgekehrte Geschichtszeichen verweisende Begriffe (GAZA) ausdrückt, die jegliche Erinnerungsspur an den unbedingten Willen zur Revolution – der dem Konzept Stadtguerilla noch anzumerken ist – so sehr vermissen lassen wie sie sich der antizionistischen Politik der üblichen Verdächtigen im gleichen Maß anpasst. Die heutigen Adepten der RAF scheinen mit den Grünen, die in ihren Gründungsjahren einst den Gewaltverzicht in Abgrenzung zum bewaffneten Kampf zum ersten und obersten Gebot erhoben, ausgesöhnt zu sein. – Der Maoismus, in dessen Tradition, ob bewusst oder nicht, sich die heutige Linken ausdrückt, kommt allerdings mit der Verhaftung Klettes nicht an sein Ende, sondern findet in der antisemitischen Bluttat Elias Rodriguez’ zu sich selbst zurück. Dadurch beweist die Linke abermals, dass ihr kein Anrecht auf Unschuld zusteht.