»Ich meine, bei Adorno ist das Erkenntnisvermögen nur noch dazu gut, an sich selbst Kritik zu üben, sich selbst zu Grabe zu tragen«

Um dieser Spaltung im Denken Sohn-Rethels auf die Schliche zu kommen, braucht man nicht lange auf die Suche nach dem missing link zu gehen, weil es ihn nicht gibt: sie begründet sich durch das unbedingte Festhalten Sohn-Rethels an der marxistischen Revolutionstheorie, aus dem sein Versuch resultiert, die negative Dialektik mit der positiven Philosophie des Marxismus, die Ideologiekritik mit der Politik zusammenzubiegen. Wollte man diese Haltung auf eine Formel bringen, so müsste man sagen, dass Sohn-Rethel den seinem Denken eigenen Negativismus und die aus ihm resultierende Nötigung zur philosophischen Reflexion auf die materialistische Kritik durch die zwanghafte Treue zu den Marxschen Thesen über Feuerbach dogmatisch negierte, um den Marxismus als Negation der Philosophie um jeden Preis – und sei er zuletzt das kritische Denken selbst – ins Recht setzen zu können. Für Sohn-Rethel gilt also je beides: Zum einen ist ohne ihn die Kritik der marxistischen Politik und die Kritik der alten und neuen Marx-Lektüre undenkbar, zum anderen blieb dieses kritische Potential bei ihm selbst bloßes Postulat, weil er die Negativität seines Denkens im Namen der Praxis und zugunsten von immer wieder neuen Identifikationen mit der marxistischen Bewegung an die positive Philosophie verschleuderte.

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