Jankélévitchs »Psycho-analyse« und die Ahnung um die Vernichtungslager

Bereits der Titel von Jankélévitchs Polemik spielt mit einem Trennstrich auf die anal-sadistischen Züge der Deutschen an; im Französischen wird Psychoanalyse bekanntlich »psychanalyse« geschrieben. Das heißt jedem Leser war klar, worauf das Wortspiel abzielt. Das Zitierte mag als schlichte antideutsche und homophobe Invektive aufgefasst werden, die den Boches eine verkappte Homosexualität unterstellt. Doch Jankélévitch erkennt etwas vom platonischen Staatsideal bei den deutschen Männern. Wie Sombart anhand von Carl Schmitts »Politischer Romantik« rekonstruiert, spielte Homosexualität als drohende Gefahr für Kaiser und Reich im Wilhelminischen Deutschland tatsächlich eine zentrale politische Rolle. Die zitierten Ausführungen treffen daher einiges vom psychosexuellen Unterbau und machen deutlich, welche Rolle symbolisch der Erzfeind Frankreich in jener Geschlechterspannung einnimmt. Die Polemik Jankélévitchs behält also ihr dialektisches Moment. Ihr Gegenstand ist die unterdrückte Homosexualität im Politischen, der Männerbund im »Tausendjährigen Reich«.

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