Vielleicht zum ersten Mal werden Menschen offiziell nicht für das verfolgt, was sie tun, sondern für das, was sie sind; sie müssen für ihr »Sein« büßen und nicht für ihr »Haben«, nicht für Taten, für eine politische Meinung oder für ein Glaubensbekenntnis wie die Katharer, die Freimaurer und die Nihilisten, sondern für das Schicksal einer Geburt. Dies gibt dem uralten Mythos vom verfluchten Volk, von einem Volk als Sündenbock, das unter den anderen Völkern wandelt und deren Sünden auf sich nimmt, seinen ganzen Sinn. Die Beziehungen zwischen einem »Juden« und einem »Arier« sind leidenschaftlich und ambivalent und würden eine sehr detaillierte Beschreibung erfordern; wir glauben, dass der außergewöhnliche Sadismus der antijüdischen Verfolgung, seine unerhörte Raffinesse und sein teuflischer Erfindungsreichtum ohne diese Beschreibung nicht zu verstehen sind. Gelb angestrichene Bänke …, öffentliche Parks, die für Kinder verboten sind …, der Stern, darauf musste man erst einmal kommen! Zunächst fällt die sehr ausgeprägte sexuelle Absicht der sadistischen Erniedrigungen auf, die auf den Verdammten niederprasseln: die Sterilisierungen, in denen sich der deutsche Vampirismus so sehr wiedererkennt, die sexuellen Verbote, vor allem die Gesetze zur Mischehe, nicht zu vergessen das Eintrittsverbot für Schwimmbäder, und tausende andere ausgeklügelte Einfälle, all dies erweckt die Vorstellung des päderastischen Ressentiments gegen den Verführer.