Redaktionelles Nachwort zu »Die Verzauberung des arabischen Denkens«

Mit dem Spektakel, so könnte man mit Mansour formulieren, setzen sich die Islamisten selbst an die Stelle Gottes, dessen Willen sie zu verwirklichen vorgeben, und verlangen ihre Anbetung als »Meister der Krise«. Als Retter in der manifesten Krise dient der Islam als Reservoir der Sinnstiftung und wird in die politische Dimension der Ökonomie hineingezogen, in der seine antijudaistischen Traditionen sich aktualisieren – aber zugleich radikal verändern – und nun nicht mehr bloß auf Unterwerfung, sondern auf Vernichtung zielen. Mansour insistiert hier, parallel zum Christentum nach der Aufklärung, auf die Unmöglichkeit, die Religion außerhalb der modernen Vergesellschaftung zu denken. Die Anrufung der authentischen Kraft des Islam als Figur der Krisenlösung wiederholt – gegen den Willen der Rückkehrer zur Tradition – die moderne Figur der revolutionären Umwälzung alles Bestehenden. Sie entpuppt sich so zugleich als Produkt der Identifikation mit dem deutschen Geist gegen die europäischen Kolonialmächte, mit dessen Politisierung in Nationalsozialismus und Marxismus, und als Antwort auf die Krise dieser Krisenlösungsversuche selbst.

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