Das europäische Geraune vom drohenden Chaos, das dem Fall der despotischen Attrappe einer Islamischen Republik folge, täuscht darüber, dass in einem totalitären Regime eine sanfte politische Transformation durch eine Demokratiebewegung nahezu unmöglich ist. Jeder weitere Massenprotest, der für das Regime ähnlich bedrohlich werden würde wie »Rising Lion«, würde Abertausende Tote unter den Revolutionären einfordern – darüber kann man sich spätestens seit November 2019 nicht mehr täuschen. Die Tötung von zentralen Figuren der khomeinistischen Repressionsmaschinerie und die Destruktion ihrer Kommandozentralen sind im Interesse aller Oppositionellen. Und doch ist es ein schmaler Grat zwischen konkretem Beistand und tragischem Verlust von Leben. Die paranoide Fahndung nach »Kollaborateuren Israels« ist das Eingeständnis eines Regimes, dessen Säulen nach und nach zertrümmert werden: 1. Der drastische Schwund ideologischer Domination ist seit spätestens 2009 nicht mehr zu leugnen. 2. Die entgrenzte Präpotenz des Regimes schwand mit der Tötung von Hassan Nasrallah, der Lähmung der Hisbollah und der Leichenstarre des syrischen Al-Baʾth-Regimes. 3. Das militärische Drohpotential des Regimes wurde durch die israelische Militärkampagne »Rising Lion« immens geschwächt.