sans phrase - Zeitschrift für Ideologiekritik

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Dienstag, 11. Dezember 2018, 20 Uhr, Wien

In Memoriam Rudolf Gelbard: Der Zionist auf dem Balkon
Rudi Gelbard und die Geschichte der proisraelischen Linken in Wien

Mit Raimund Fastenbauer, Stephan Grigat, Simone Dinah Hartmann, Andi Peham und Gerhard Scheit. Begrüßung: Lena Köhler.

Am 24. 10. 2018 starb Rudolf Gelbard. In den Gedenkreden wurde zwar sein unermüdliches antifaschistisches Engagement gewürdigt – aber wie schon in dem vielbeachteten biographischen Dokumentarfilm Der Mann auf dem Balkon schwieg man sich in den meisten Fällen darüber aus, dass für ihn dieses Engagement mit dem Einsatz für den Zionismus unauflösbar verbunden war. Sein immenses Wissen über die nationalsozialistischen Massenmörder und die Verbrechen des Parteikommunismus hielt sich stets die Waage mit der genauen Kenntnis der Geschichte des Nahostkonflikts und des neuesten Stands der Ausrüstung der IDF. Er hat in vielen Gesprächen betont, wieviel er, als Elfjähriger ins Lager Theresienstadt deportiert, seinen linkszionistischen „Lehrern“ unter den Mithäftlingen (Fredy Hirsch, Aron Menczer, Sigi Kwasnewski, Hardy Plaut und Louis Löwy) zu verdanken hatte. Und er hob noch in einem seiner letzten Interviews hervor, dass seine Aktivitäten für die Bricha – die Untergrundbewegung, die unmittelbar vor der Gründung Israels Flucht und Einwanderung nach Palästina organisierte – „sicherlich das Sinnvollste“ gewesen sei, was er in seinem Leben getan habe.

50 Jahre später lieferte er sich bei unzähligen Veranstaltungen und Demonstrationen für Israel und gegen den Antizionismus, bei denen er als Diskussionsteilnehmer und Redner präsent war, nicht nur lehrreiche Wortgefechte und sah sich dabei – etwa unmittelbar nach 9/11 – den übelsten Verbalattacken seitens palästinensischer und antiimperialistischer Aktivisten ausgesetzt („Zionistenschweine“); er scheute, wenn es denn notwendig war, auch keine Handgreiflichkeiten, etwa beim Angriff der Gruppe „Sedunia“ auf eine 9. November-Kundgebung von Café Critique und der Israelitischen Kultusgemeinde.

Die Veranstaltung richtet sich mit Ausschnitten aus Tondokumenten und einer Podiumsdiskussion gegen jenes Verdrängen des Zionismus, das heute in trauter Gemeinsamkeit von Gedenkkultur und Antifaschismus-Bekundungen praktiziert wird. Sie soll zeigen, wieviel hierzulande radikale Kritik am Antizionismus und Solidarität mit Israel in den letzten zwanzig Jahren Rudi Gelbard zu verdanken wissen.

Eine Veranstaltung von Café Critique und ÖH Uni Wien. Unterstützt von Boycott Antisemitism, ça ira-Verlag, Filmclub Tacheles, Initiative Sozialistisches Forum Wien, sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, STOP THE BOMB.

Ort: Alte Kapelle, Uni Campus Altes AKH, Alserstraße/Spitalgasse, Durchgang Hof 1/Hof 2